Haus St. Antonius
Grein a.d. Donau / Österreich

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Geistlicher Impuls 

 
Grußwort für das Quartal September - November 2019

    Pfarrer Mag. Leopold Gruber
    Leiter des Hauses


 

Ein herzliches Grüß Gott,
liebe Freunde und Wohltäter des Hauses St. Antonius!

"Mit brennender Sorge" - so lautet der Titel der Enzyklika, mit der Papst Pius XI. im Jahr 1937 die katholische Kirche (besonders in Deutschland), eigentlich alle Christen in der ganzen Welt aufrütteln, ermutigen und vor einer nahenden Tragödie warnen und alarmieren wollte. Leider ist seine Befürchtung eingetroffen. Er hatte recht.
Wieviele Menschen haben sich damals durch die nationalsozialistische Propaganda manipulieren lassen; haben die christlichen Werte als Hindernis für den erwarteten Fortschritt über Bord geworfen. Pius XI. war eine prophetische Stimme; sein "Alarm" wurde vom propagandistischen Lärm der Nationalsozialisten übertönt.

Ein Alarm ist sehr beunruhigend, reißt aus der Ruhe, aus dem Schlaf, schreckt auf; der Alarm ist bei drohender Gefahr aber notwendig und lebensrettend.

Auch in unserer Zeit gibt es - Gott sei Dank - prophetische Stimmen. Eine davon ist die Stimme des Kardinals aus Afrika, Robert Sarah. Mit seinem Buch "Herr, bleibe bei uns! Denn es will Abend werden" will er uns - vor allem die Kirche in Europa - aus dem Schlaf einer falschen Sicherheit und zum christlichen Bekenntnis in der Welt wachrütteln. Mit diesem Buch macht er eine tiefgreifende "Diagnose". Einem Arzt, der die richtige Diagnose macht und die richtigen Therapiemaßnahmen trifft, kann man nur dankbar sein, das ist unbezahlbar.

Die Sorge des Kardinals betrifft nicht etwas, was eine "Geschmacksrichtung" in der Kirche angeht, sondern ist von schwerwiegender Bedeutung für die gesamte Christenheit. Namhafte Theologen und Hirten der Kirche - wie Sarah u.a. - diagnostizieren, weisen auf ein grundsätzliches Problem hin: Dass viele Christen von den tatsächlichen Problemen nichts wissen und auch nichts hören wollen, sich in eine private (kuschelige) heile Welt flüchten, die vielfach manipulierte Welt mit einer beschönigenden Brille wahrnehmen und schließlich alles Gott oder dem Schicksal überlassen. Ein Grundproblem, worauf die prophetischen Stimmen aufmerksam machen, ist eine Art "Lethargie", eine zunehmende Trägheit und Lähmung, was das christliche Bekenntnis im öffentlichen Leben bzw. die christliche Lebenspraxis betrifft. Das wiederum beschleunigt die Säkularisierung, die Entchristlichung der Welt.
Es war schon immer so: Jene, die zur Umkehr mahnen, werden nicht gehört oder erfahren Widerstand.

Im Hebräerbrief (vgl. Hebr 12,3) werden die Gläubigen ermutigt, "an den (an Jesus) zu denken, der von den Sündern solchen Widerstand gegen sich erduldet hat." Jesus, der Sohn Gottes, war mit der Verstocktheit der Menschen bis aufs äußerste konfrontiert. Nachdem seine letzten Tage in Jerusalem gekommen waren, heißt es im Lukasevangelium: "Als er näher kam und die Stadt sah, weinte er über sie und sagte: Wenn doch auch du an diesem Tag erkannt hättest, was dir Frieden bringt. ..." (vgl. Lk 19,41-42). An diese schmerzlichen Worte Jesu erinnert die sogenannte Kirche "Dominus flevit".

Ist die christliche Mission am Ende?
Die FROHE BOTSCHAFT, das Evangelium Jesu Christi, dass Jesus Christus Sieger über Sünde und Tod ist, wird Dank der Hilfe Gottes nicht verstummen. Der Mensch aber muss sich entscheiden: für Heil oder Unheil. Dieses Entscheiden, dieses Wohin und Wofür ist der Kampfplatz.

Auf dem Firm-Mascherl, das ich 1968 anlässlich meiner Firmung bekommen habe, steht der entscheidende Satz:

"Zum Kämpfer für Christus gefirmt"

Für diesen Kampf ist es Voraussetzung, bei Jesus die Kraft zu finden, nach jeder Zeit des Kampfes bei Jesus auszuruhen und neue Kraft zu schöpfen: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen." (Mt 11,28).

Diese Ruhe verleiht neue Kraft und Zuversicht. So werden wir das Geheimnis des Glaubens, unseren Missionsauftrag, nicht verschlampen, nicht vergessen, nicht verleugnen: "Deinen Tod, o Herr, verkünden wir, und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit."
 

In Dankbarkeit
Leopold Gruber

 

 

                                                                                          

 

 

 

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